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Die Glomma - eine Schönheit zum Erobern

Von Christoph Meyer

In dem spiegelnden Licht war die Superpupa am Ende meines Vorfachs nur noch zu erahnen. Der kleine Ring, in dem sie dann verschwand, kam nach all dem Suchen und Fischen so überraschend, dass ich erst nach einer Schrecksekunde mit einem lahmen Anheben der Rute reagierte. Zum Glück. Das mächtige Schütteln am anderen Ende der Schnur signalisierte mir: Da war sie die langersehnte, kapitale Glomma-Äsche.

Abwechslungsreiches Fischen in unberührter Natur, hatten wir, mein Freund Fabian und ich, uns erhofft, als wir uns für das Fischen an der Glomma in Norwegen zu interessieren begannen. Unsere Reise begann in Hamburg. Es ging mit dem Auto über Dänemark und Oslo und dann noch ein Stück weit nach Norden: bis hin zum den Campingplatz in Koppang direkt am Fluss.

Am nächsten Morgen war mein erster Gang direkt ans Wasser. Zu hoch, dachte ich und eine herbe Enttäuschung machte sich in mir breit. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging Fabian zu einem älteren Fliegenfischer der gerade dabei war eine Seidenschnur an seiner Gespließten zu testen. Der Nachbar war das, was seine Ausrüstung bereits signalisiert hatte, ein großer Experte in Sachen Glommafischen. Und seine Diagnose bestätigte meinen Eindruck. Hochwasser an der mächtigen Glomma, war die schlechte Botschaft. Er hatte aber auch eine gute. "Es gibt Alternativen", sagte er und nannte sie auch.

Wir machten uns dann schnurstracks per Auto auf den Weg an die Rena, die meist frei von Hochwasser ist. Dort angekommen, stellten wir uns auf eine Brücke und was wir durch die Polbrillen sahen, ließ schlagartig wieder Hoffnung und Vorfreude aufkommen. Im Wasser sahen Fischrücken an Fischrücken. "Äschen, ohne Ende!!!", dachten wir.

Kurze Zeit später mussten wird dann allerdings feststellen, dass es sich um Renken handelte. Große Renken... Doch fangen lassen wollten die sich nicht. Den ganzen Morgen versuchten wir vergeblich unser Glück. Nach einem Schläfchen im Gras beobachtete ich nachmittags dann einen Schweden. - Er fischte mit einer Leichtigkeit und Eleganz, die mich neidisch werden ließ. Underhandcast hieß seine Zauberei. Der Schwede fing eine Renke nach der anderen. Doch bei uns blieb der Erfolg leider aus: Hier an diesem Fluss muss man mit einer enormen Genauigkeit und Feinheit fischen, die zudem eine intime Kenntnis des Wasser und eine perfekte Präsentation erfordert. Für uns war dies auf jeden Fall ein lehrreicher Tag. Am Abend kam dann sehr starker Nordwind auf. Mit einem Schlag waren alle Insekten weggeblasen und die Fische waren verschwunden.

Am nächsten Morgen beratschlagten wir die Tagesplanung. Wir entschieden uns für einen Fluss oberhalb unseres Camps, ca. eine Autostunde entfernt: Die Atna. In ihr sollten große Bachforellen schwimmen. Nach einem halbstündigen Fußmarsch waren wir an einer viel versprechenden Stelle angelangt. Überhängende Bäume, tiefe Gumpen und große Steine, die den Fischen Unterstand bieten. - Perfekte Umstände für einen schönen Fischertag: Den hatten wir hier auch. Jeder von uns fing schöne Bachforellen mit schöner Zeichnung und dies alles in dieser herrlicher Flußlandschaft. Ein Tag der für vieles entschädigte.

Der dritte Tag begann wie die beiden ersten auch mit einem großen Frühstück und einer Katzenwäsche. Dann ging ich wieder zum Ufer der Glomma, um den Wasserstand zu überprüfen. Zu meiner Freude war dieser über Nacht merklich gesunken. Die Planung für den Tag war also klar. Glomma-Äschen überlisten. Wir bauten die Ruten auf, ich fischte eine 4er mit 9 Fuss. Fabian eine 5er, ebenfalls 9 Fuss lang. Kleine Nymphen, Superpupas und kleine schwarze Palmer, heißen die Waffen, mit denen man hier zum Erfolg kommt. Wir durchwateten eine Treckerfurt unterhalb des Camps ( was schon ein Abenteuer für sich ist) um uns in aussichtsreiche Position zu bringen.

Und dann fischten wir so, wie wir es uns zuvor erträumt hatten. Trocken. Auf Äschen, den ganzen Tag lang, mit Biss auf Biss. Die nächsten Tage waren ebenfalls gut und unser Urlaub entwickelte sich prächtig.

INFOS:
Die Glomma, Rena und die Atna sind drei wirklich interessante Flüsse die einen Fischer glücklich machen können.

Die Glomma ist der längste Fluss Norwegens und bringt es auf immerhin 587 Kilometer. Sie entspringt bei Röros und mündet in das Skagerrak. Flößerei und Wasserkraftgewinnung haben der Glomma im Unterlauf sehr zugesetzt. Im Oberlauf bei Koppang, rund 200 Kilometer nördlich von Oslo, ist davon allerdings kaum was zu spüren.

Fischarten Glomma: Bachforellen, Äschen, Hecht
Fischarten Rena : Bachforellen, Renken
Fischarten Atna : Bachforellen

Beste Reisezeit: Juni September
Im Juni gutes Fischen in der Glomma mit Koppenstreamer
Im September beste Chancen mit der Trockenfliege Äschen zu überlisten.


Fliegen: Sedges braun schwarz und grau 10-14 , Superpupas 12-16 unter die Oberfläche ziehen, gelbe Larven und Puppenimitationen
Kleine Schwarze Palmer und Red Tags 14 18

Ruten: Klasse 4-8, Länge 9- 9,6 Fuss
Schnur: Schwimmschnur und Sinktip

Mückenschutz nicht vergessen!