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Aus der Mitte enstpringt ein Fluss - Die Ybbs

Von Jürgen Oeder

“Wenn ich so alleine im Zwielicht des Canyons stehe, scheint alle Existenz in ein Wesen mit meiner Seele, meinen Erinnerungen zu verschmelzen, mit den Klängen des Blackfoot-Flusses. Und ich hoffe, dass die Forelle steigt. Am Ende fließen alle Dinge ineinander und aus der Mitte entspringt der Fluss.“
Diese letzten Zeilen aus dem großartigen Fliegenfischer-Roman “Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ kamen mir in den Sinn, als ich Anfang Mai in der oberen Ybbs bei Opponitz fischte. Mutterseelenallein stand ich im kristallklaren Wasser und konnte beobachten wie beim dritten Service meiner Nymphe eine 54-er Bachforelle leicht nach links pendelte und das Weiß ihres Maules zeigte. Den sanften Anhieb quittierte der naturwüchsige Fisch zunächst mit einem ungläubigen Kopfschütteln - um dann in die Steine des unter uns liegenden Gumpens zu flüchten.

Der Fluss wurde bei der großen Überschwemmung der Welt begraben und fließt aus dem Keller der Zeit über Steine. Auf einigen der Steine befinden sich zeitlose Regentropfen. Unter den Steinen sind die Wörter. Doch einige Worte wird man nie verstehen. Ich kann mich dem Wasser nicht entziehen ...


Tico van der Linden kann sich der Ybbs offensichtlich auch nicht entziehen. Er scheut den weiten Weg von Holland bis Göstling-Sankt Georgen in Niederösterreich nicht. Zum sechsten Mal in drei Jahren war Tico nun im Mai dort und findet das Fischen an der Ybbs “besser den je“.

Das ist kein Wunder. Der umtriebige Bürgermeister von Opponitz, Erwin Forster, hat das Kunststück fertig gebracht, dass all die Pächter und Eigner von inzwischen rund 50 Kilometern Fischwasser ober- und unterhalb des Ortes an einem Strang ziehen und nur maximal 17 Fliegenfischer am Tag an die Strecke lassen. Und weil die auf insgesamt sieben Abschnitte verteilt werden, treten sich die Fliegenfischer auch nie auf die Füße, wie das leider an der Gmundener Traun oder anderen überlaufenen Gewässern oft der Fall ist.

"Der Fluss ist nun perfekt gemanagt", lobt Tico, der die Ybbs in sein Herz geschlossen hat. Und auch das ist kein Wunder: In den Mai-Tagen an der Ybbs hatten der versierte Angler und seine Freunde wieder einmal etliche starke Fische am Haken. Albert Assen fing eine Bachforelle mit 53 cm und Tico gleich zwei Regenbogenforellen mit weit über 60 cm! Eine davon wurde uns dann im komfortablen Jagdhof Breitenthal, wo wir abgestiegen waren, am Abend als Gaumenschmaus serviert. Denn auch das gehört zum Ybbs-Managment: In einigen Gewässerabschnitten dürfen einzelne Fische durchaus für den Verzehr oder als Trophäe entnommen werden.

Natürlich bin ich inzwischen zu alt um ein guter Fischer zu sein. Meistens fische ich alleine, in größeren Gewässern, obwohl einige Freunde meinen, ich sollte es nicht tun, sagt der Protagonist in dem Fliegenfischer-Roman.

In der Ybbs kann dagegen jedermann fischen. Ob jung oder alt, ob Profi oder Anfänger, wie Ticos Freund Wim: Er hatte an der Ybbs erst zum fünften oder sechsten Mal eine Fliegenrute in der Hand und Mühe, mehr als ein Dutzend Meter Schnur sauber abzulegen. Seinem Spass und dem Fangerfolg tat das aber keinen Abbruch. "Die ist slecht", sagte er bewundernd, als er mit einer meiner “speziellen“ Äschen-Nymphen auf Anhieb eine 46-er Fahnenträgerin landen konnte. Und auf meinen fragenden Blick hin klärte er mich auf: "Slecht ist ein Lob und meint gut", sagte er, den Fisch noch in der Hand

Und überhaupt. Die Äschen! An der oberen Ybbs gibt es so viele und starke Äschen, dass sie im Programm Rettet die Ybbs-Äsche als Laichfische dienen. Mit der so gewonnenen Brut wird der verbaute Unterlauf des 138 Kilometer langen Flusses wieder mit heimischen Fahnenträgerinnen aufgepäppelt.

Passen das Wasser und der Wind, dann wird Trockenfischen mit Eintagsfliegenmustern oder Sedges in der Ybbs zum Vergnügen pur. Ansonsten ist die Nymphe angesagt. Aber so oder so: Die Ybbs ist für viele Überraschungen gut - ob Thymallus, starke Bachforelle oder eine der wunderschön gezeichneten und wilden Regenbogner, die sich hier selbständig vermehren, sie alle können in ansehnlichen Größen an den Haken gehen.

Und noch mehr Überraschungen birgt das Wasser. Es bietet Gelegenheit für allen Arten von Fliegenfischen: sei es Wiesenbach-Angeln in 10 Kilometern der kleinen Ybbs, oder mit dem Belly-Boat und Streamer im Staubereich von Waidhofen, abends auf große Raubforellen. Oder auch im Winter, nach einigen zünftigen Abfahrten mit den Ski dann in der Mittagszeit auf steigende Äschen fischen. - All das ist möglich an der Ybbs. Dem nichtfischenden Bürgermeister Forster sei Dank!!!

Nach meinen Kurzbesuch im Mai steht für mich nun eines fest. Die Ybbs sieht mich im Herbst wieder. Und schon jetzt freue ich mich auf das zugesagte Guiding durch einen der Forster-Mannen zu allen hot spots. Ob eine Woche dafür wohl reichen wird?

Keine Frage ist dagegen die Frage nach der Unterkunft: Sei es das Jagdhotel Breitenthal für gehobenere Ansprüche, oder für den schmalen Geldbeutel, das kostengünstige Schlafen auf dem Bauernhof: An der Ybbs haben sich ein Dutzend Betriebe zusammengetan und ihre auf Fliegenfischer abgestimmten Leistungen und Angebote auf der Site Ybbser Fliegenfischer ins Netz gestellt.

Angellizenzen (73.- Euro am Tag, 196.- Euro das Wochenende) gibt es im Rathaus Opponitz.

Und ich hoffe, dass die Forelle steigt. Am Ende fließen alle Dinge ineinander und aus der Mitte entspringt der Fluss.“ - Der heißt Ybbs und hier sind die Bilder dazu...