Der Rote Thunfisch
vom Aussterben bedroht?
Dem lebenden Fisch die Hauptschlagader an beiden Seiten der Schwanzwurzel
und an den Kiemen durchschneiden. Dann die Wirbelsäule am Kopf trennen
und dem Fisch ein etwa zwei Millimeter starken Nylondraht in die Wirbelsäule
schieben. Dadurch werden die Nerven zerstört und es wird verhindert,
daß die Muskeln sich nach dem Töten durch anhaltendes Zittern
aufheizen. - Rufen sie sofort unseren Agenten unter der Telefonnummer:
...
Die Rede ist vom Roten Thun. Die Anweisung, wie die Tiere kunst- aber
keinesfalls artgerecht zu schlachten sind, verteilen japanische Fischaufkäufer
weltweit an Berufsfischer von Nova Scotia über Kroatien nach Australien
und Neuseeland. Für Japaner ist Roter Thun roh in einer Sushi-Bar
genossen eine Delikatesse. Deshalb geht der weltweite Fang mit einem Wert
von etwa sechs Milliarden US-$ im Jahr auch fast ausschließlich
nach Japan. Und weil die Berufsfischer rund um den Globus bis zu 20.000
US$ für einen einzigen der Meeresgiganten bekommen, sind alle Arterhaltungsprogramme
bislang verpufft.
Fabrikschiffe mit Purse-Seine-Netzen
und Langleinen mit jeweils tausenden Haken bilden in allen Weltmeeren
noch immer Todessperren, in welchen nicht nur Thune, sondern auch
jedes Jahr 40.000 Seeschildkröten, sowie unzählige Delphine,
Haie und Marline als unerwünschter Beifang qualvoll verenden.
Das geschieht auch vor unserer Haustür - im Mittelmeer, der Adria
oder in der Biskaya.
Beim Fang mit Purse-Seine-Netzen
ziehen kleine schnelle Boote ein Netz vom Mutterschiff rund um einen
ausgemachten Thunschwarm. Delphine, die oft gemeinsam mit Thunfischen
auf Jagd gehen, geraten darin dann in Todespanik und weibliche Tiere
bekommen oft noch Fehlgeburten, bevor sie qualvoll ertrinken. In der
Biscaya werden jedes Jahr hunderte von Delphinen so sinnlos Opfer
der französischen und spanischen Fangflotte. - Die Fischer schneiden
den toten Tieren den Bauch auf, damit die Kadaver schneller versinken
und nicht zu Zeugen der grausamen Fangmethoden werden.
Vor allem die
viel geschmähten Big Game Angler setzen sich für den Erhalt der
Roten Thune aktiv ein. Sie gehen immer mehr dazu über, Thune für
Forschungsprogramme zu fangen, zu markieren und wieder schwimmen zu lassen.
Und vor allem Hobbyangler waren es, die mit einem enormen finanziellen Aufwand
im Atlantik bisher weit über 3000 Rote Thune markiert haben. Dank dieser
tag and release genannten Praxis konnten Wissenschaftler nachweisen,
daß Rote Thune von der Ostküste Amerikas 5800 Kilometer weit
bis in das Mittelmeer ziehen, um dort vermutlich zu laichen.
Um das genauer herauszufinden
wurden Fischen Mini-Computer in die Bauchhöhle gepflanzt, die fünf
Jahre lang alle zwei Minuten den Aufenthaltsort der Fische, die Körper-
und die Wassertemperatur sowie die Schwimmtiefe aufzeichneten.
Das erste dieser Tag
a Giant genannte Programme fand von Februar bis März 1996 an
der Küste vor Hatteras/North Carolina statt. Sportangler investierten
jeweils 1.500$ in solch ein archival-tag. Sie charterten Big
Game Yachten und fingen für zwei Ärzte-Teams 377 Thune, die den
Fischen dann die Computer auf zwei speziellen Schiffen in die Bauchhöhle
verpflanzten. Die damit versehenen Thune trugen zudem auf dem Rücken
zwei Plastikfähnchen mit der Aufschrift: Big $$$ award, electronic
tag inside stomach. Die 47 Fischer, die solch einen Thun fingen und
das Archival-Tag an den National Marine Fisheries Service (NMFS)
zurückschickten, bekamen denn auch jeder eine Belohnung von 1000$.
Inzwischen
räumt selbst die Internationale Kommission zum Schutz atlantischer
Thunfische (ICCAT), zuständig für die Vergabe kommerzieller Fangquoten,
ein, dass die Bestände überfischt sind. An einem umfassenden Bestandsschutz
hat der Zusammenschluß der wichtigsten Fangnationen allerdings so
viel Interesse wie Pyromanen an einer Feuerpatsche. In den vergangenen Jahren
einigten sich die ICCAT-Staaten zwar darauf, für Überschreitungen
der Fangquoten Strafen in Höhe von 125 % des Fischwertes zu zahlen.
Doch Überschreitungen der Purse-Seine-Boote, wie sie Sport- und Handleinenfischer
in Kroatien beklagen ,werden von der ICCAT ignoriert.
Wissenschaftler plädieren für die Reduzierung der jetzigen
Fangquote von rund 2000 Tonnen im Atlantik um etwa ein Drittel. In den
USA haben unterdessen Sportfischer und Naturschutzorganisationen gemeinsam
eine Kampagne gestartet: Roter Thun soll dort von den Speisekarten verschwinden.
Japanische Aufkäufer freut das: sie haben nun noch mehr Fisch für
den Export ins unersättliche Mutterland.
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