Verseuchtes Wasser aus Ölförderung ist größte Gefahr für Nordsee
Hormonsystem beim Kabeljau bereits gestört.
(f2f) – Bei der Ölförderung in der Nordsee werden nach Angaben des norwegischen Fischereiministers Svein Ludvigsen täglich rund eine Million
Tonnen mit Chemikalien verseuchtes Wasser ins Meer gepumpt. Dieses so genannte Produktionswasser, das von unzähligen Offshore-Anlagen
zusammen mit Öl aus dem Meeresboden gefördert wird, enthält Substanzen, die das Hormonsystem des Kabeljaus beeinträchtigen und die Fische inzwischen
drei Wochen später als üblich laichen lassen. Das geht aus einer Studie hervor, die das norwegische Institut für Meereswissenschaften im Auftrag
der Regierung erstellte. Der Autor der Studie, Jan Helge Fossa, bezeichnete Produktionswasser als tickende Zeitbombe, die alle in der
Nordsee lebenden Arten beeinflussen könne. Ludvigsen forderte auf einem Kongress in Bergen den sofortigen Einleitungsstopp von Produktionswasser
in die Nordsee.
Produktionswasser ist durch die Millionen Jahre lange Vermischung mit dem Erdöl mit unzähligen Chemikalien gesättigt. Bislang wird es bei der Förderung nur mechanisch von Ölklumpen getrennt und direkt ins Meer geleitet. Einige der Chemikalien haben jedoch eine Wirkung wie weibliche Hormone und verzögern das Laichgeschäft des Kabeljaus. Unklar ist noch, ob männliche Fische durch die Chemikalien verweiblichen und unfruchtbar werden können. Dieses Phänomen wurde bereits bei einer Reihe von Süßwasserfischarten unterhalb von Industrieeinleitungen und Kläranlagen festgestellt.
Ölförderfirmen haben die Gefahr auch inzwischen erkannt, und beteiligen sich finanziell an Studien
zur Lösung des Problems. Die Einleitungen von Produktionswasser ist eines der Themen, die Umweltminister
auf der Nordsee-Konferenz kommende Woche in Bergen besprechen werden. In der Nordsee wird seit den 60-er
Jahren nach Öl und Gas gebohrt. Größte Produzenten sind Norwegen und Großbritannien. Die Gesamtfördermenge
in der Nordsee liegt bei mehr als 6 Millionen Barrel (rund 980 Millionen Liter) am Tag.
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