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Soca ade?

Wiedereinbürgerung der Marmorata vergällt vielen den Spaß.

Die Soca, der grüne Smaragd in den Karawanken, ist nicht mehr, was er für Fliegenfischer lange war. Es gibt dort keine Bachforellen mehr und auch keine naturgewachsenen Regenbogner. Sie wurden ebenso elektrisch abgefischt wie die Bachforellen-Marmorata-Hybriden. Und weil Äschen selbst bei nur leicht angestaubtem Wasser schon extrem heikel werden, und dann kaum noch was beißt, kehren immer mehr Fliegenfischer dem einstigen Paradies in Slovenien den Rücken. Seriöse Reiseanbieter haben deshalb begleitete Reisen und Guiding an der Soca inzwischen aus ihrem Programm genommen. Dabei haben die rigorosen Maßnahmen im Soca-System ihren guten Grund:
„Wir züchten hier die Fische mit den zwei Schwänzen„, sagt Dusan Jesensek. Der Tiermediziner in der Brutanstalt von Tolmin in Slovenien, setzt eine handvoll streichholzlanger Fischlein mit unverhältnismäßig großen Mäulern und Köpfen in ein abgedunkeltes Becken. Dass aus ihnen einmal bis zu 25 kg schwere, gefleckte Forellen der Art „Trutta marmoratus„ werden, sieht man den Winzlingen nicht an.
„Marmoratas werden ab fünf Zentimetern Länge zu kannibalischen Räubern. Wir sehen hier in der Fischzucht deshalb oft Fingerlinge mit zwei Schwänzen: Den richtigen und einen zweiten, der aus dem Maul hängt„, erklärt Dusan. Doch der biologische Vorteil, schon früh auf große und damit kalorienreiche Nahrung umschalten zu können, nutzt den Marmoratas im Überlebenskampf heute nicht mehr viel. Sie stehen seit Jahren auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten Europas.

Marmorata
Hybride
Die wegen ihrer Zeichnung an Saiblinge erinnernde Marmorata bevölkerte einst die Mittelmeerzuflüsse im nördlichen adriatischen Becken vom Po in Italien und von der Soca in Slovenien bis hin zu den Flüssen in Bosnien und Albanien. Zur größten Gefahr wurden für die Marmoratas aber nicht etwa Überfischung, Umweltverschmutzung oder Gewässerverbauung. Die nach dem Huchen größte Salmonidenart Europas wurde und wird auch noch heute vor allem von ihrer kleinen Verwandten, der Bachforelle, bedroht.
„Früher gab es im nordadriatischen Becken ausschließlich Marmoratas. Seit 1906 wurden dann aber überall immer wieder importierte Bachforellen eingesetzt und seitdem nahm das Unglück seinen Lauf,„ sagt Dusan. Weil sich die Bachforellen mit den heimischen Fischen kreuzen und die Nachkommen dieser Hybriden ebenfalls fruchtbar sind, schien vor wenigen Jahren das Schicksal genetisch reiner Marmoratas besiegelt. - Als Ende der 80er Jahre dann in der Soca der Anteil von genetisch reinen Marmoratas an den gefangenen Forellen auf rund 5 % zurückging, zog der Angelverein von Tolmin die Notbremse, baute eine erste Fischzucht auf, stellte Dusan als Leiter ein und schlug international Alarm.
Der Notruf erreichte dann die Stiftung Tour du Valat südfranzösischen Arles. Die Stiftung die sich mit der Ökologie von Feuchtgebieten befasst, legte ein Forschungsprojekt auf, und entdeckten 1993 in der abgelegenen Zadlascica, einem wenige Meter breiten Nebenbach der Tolminka, die wiederum in die Soca mündet, kleine schön gezeichnete Marmoratas. Gewebeanalysen in der Universität von Montpellier bestätigten dann die Hoffnung: Es waren genetisch unverfälschte Fische. Die systematische Suche der Vereinsmitglieder in unzugänglichen Nebenflüssen brachte dann noch vier weitere Stämme zu Tage.
Die Basis für eine Zuchtstation war also da. Und die Gelder dafür auch, denn die Lizenzen für Angel-Touristen brachten weit mehr als eine halbe Million Mark im Jahr für den Aufbau eines neuen Marmorata-Bestandes. Doch weil die rund 220.000 Fingerlinge die jedes Jahr in den Kindergartenbächen des Soca-Systems ausgesetzt wurden, bald zum bevorzugten Futter der aggressiven und sich seit langem selbst vermehrenden Regenbogenforellen gehörten, blieb dem Verein nur die radikale Notlösung: das konsequente elektrische Abfischen aller Regenbogenforellen im Soca-System. Nach zahlreichen Protesten und rapidem Rückgang beim Kartenverkauf wurden nun streckenweise doch wieder Regenbogner besetzt: sterilisierte, und etwas schwammige Fische, die keinen Vergleich standhalten zu den abgefischten Schönheiten von einst.
Dafür sind die Marmoratas wieder gut eingebürgert und fleißig am Wachsen. Doch viel Spaß bringen sie den Fliegenfischern kaum. Nur bis zu einer Größe von etwa 40 cm steigen die dann noch schlanken Fische nach der Trockenfliege. Danach stehen sie in tiefen Gumpen, schalten um auf eiweißreiche Beutefische und gehen nur noch im Morgengrauen oder am Abend an schwere jigähnliche Streamer.
Zudem müssen Fliegenfischer lange und beschwerliche Fußmärsche am linken Ufer des Oberlaufs in Kauf nehmen, um an noch einigermaßen gute weil unbefischte Stellen zu kommen. Oder sie müssen sich „unten„ mit den Regenbognern aus der Fischfabrik begnügen.
 



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